Zu später Stunde

L1 ist wach geworden, während hier der TV lief, und weil gerade etwas über den Bildschirm flimmerte, was zwar nicht schlimm ist, angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit dann aber doch etwas gruselig ankommen könnte, habe ich ihn gefragt, ob alles ok ist.

Seine Antwort war sehr überzeugend und gleichzeitig herzerfrischend: “Yo, baby!”

Lauser

Der Mini ist ein Lausbub.

Im Moment liebt er es, “Unsinn” anzustellen.

Er räumt meinen Nachttisch ab, öffnet die Schubladen und ich habe keinen Platz mehr, an den er nicht dran kommt *jammer*

Er zwingt uns, Dinge zu tun. Wenn ich aus dem Bett aufstehen soll, MUSS ich meine Brille aufsetzen. Ich MUSS mein Handy mitnehmen und in die Hosentasche stecken.

Er mag keine Kleckereien. Wenn etwas auf den Tisch tropft, muss es direkt weggewischt werden. Sonst beschwert er sich bitterlich.

Und wenn er fertig ist mit dem Essen, müssen wir seinen Teller in Empfang nehmen, den er uns schon hin hält. Oft mit sorgfältig draufgestelltem Becher *schmunzel*

Wenn er irgendwo ein Buch herumliegen sieht, räumt er es auf (dahin, wo es seiner Meinung nach hin gehört – was in den allermeisten Fällen der richtige Ort ist).

Im Moment ist er sehr kreativ, entdeckungsfreudig, und schlau ist er auch.

Andererseits kommt mir vieles etwas schrullig vor, wenn ich ehrlich bin ;-) Er ordnet seine Welt ziemlich kategorisch, und wenn dann etwas anders läuft, als er möchte, fuchst ihn das.

Letztens lief eine unserer Katzen unter dem Esstisch herum. Normalerweise sorgt der Hund dafür, dass die Katzen uns beim Essen nicht belagern. Dieses Mal nicht. Das fand L2 gar nicht gut und hat sich bitterlichst beschwert. Die Katze sollte da nicht sein!

Er kommandiert übrigens auch den Hund herum *schmunzel* Viel sagen kann er ja noch nicht, aber mit gerecktem Zeigefinger und deutlichem “Geh!” den Fellträger weg schicken wollen, das macht er dann doch ;-)

Seit kurzem schläft er übrigens oft in seinem eigenen Bett. Das steht mit der offenen Seite an unserer Matratze dran, seine Matratze auf der Höhe von unserer. Sein Kissen muss einmal in der Mitte gefaltet sein. Dann lässt er sich schlafend rein legen und zudecken. Ein Mal ist er auch schon drin eingeschlafen, dafür braucht er dann aber doch noch ein Stück von mir zum Festhalten und Ankuscheln :-)

Wenn er abends bei uns im grossen Bett einschlafen möchte, holt er sein Kissen und seine Decke, legt beides zwischen uns und versucht dann, dort einzuschlafen. Versucht deswegen, weil er zur Zeit wieder nicht zur Ruhe kommt abends. Er muss sehr kämpfen, mit Wutanfällen, Beissen und Kratzen. Irgendwann ist er dann erschöpft, mummelt sich bei mir an und schläft ein.

So, und nun werde ich mich dem Mittagessen widmen, war diesmal nur ein kurzes Update ;-)

Urlaub

Genau da waren wir. Im Urlaub. Mal ein etwas anderer Urlaub als in den letzten Jahren. Zwar auch ein Ferienhaus, dies aber in einem Familienferiendorf. Mit ganz vielen anderen Familien. Nur Familien. In der Ferien wird nämlich nur an Familien vermietet. Also keine Griesgrämer weit und breit, die sich von Kinder”lärm” gestört fühlen könnten. Und was noch besser war: man ist dort mit 4 Kindern so überhaupt nicht aufgefallen. Eher selten waren Familien mit nur ein oder zwei Kindern anzutreffen. Freunde zu finden war also garkein Problem.  Es gab so viel zu erleben dort. Geführte Wanderungen, Fussballspiele, bei schlechtem Wetter Tischkicker, Basteln, Tischtennis, Grillparty, Ponyreiten, Kanutouren und und und.

Ich könnte natürlich soooo iel erzählen und auch viele tolle Bilder hier dazu posten. Geht aber nunmal ja nicht.

Wir können diese Art von Urlaub Familien mit (vielen) Kindern nur empfehlen. Und wir werden es wieder tun. Konkret: Für nächstes Jahr ist schon reserviert. :-)

Kinderwelten

Der Herr Gatte hat so schön beschrieben, wie J sich verändert hat :-)

Ich erzähle dann mal ein wenig querbeet.

L2 hat heute zum ersten Mal eine Aufführung ansehen dürfen. Ich sozusagen auch, denn bei einer Freileichtbühne war ich selbst auch noch nie. Und L war auch mit dabei, der war aber so neutral, dass ich von ihm diesmal kaum etwas erzählen kann. Eigentlich ist er ja der Treibauf, der immer irgendwelche Schoten bringt oder Unsinn macht – ein wenig wie Michel aus Lönneberga :-)

Jedenfalls, schreiben wollte ich über L2. Der hat normalerweise Hummeln im Hintern, und mehr als zehn Sekunden hält ihn gefühlterweise nichts auf unseren Armen oder dem Schoss. Reiht sich ein in die Bande kleiner Wusel ;-)

Heute hat er die gesamte Zeit nur ein einziges Mal ein klein wenig versucht, von meinem Schoss zu kommen. War doch ein Plastikfisch von der Bühne geworfen worden und landete für ihn gut sichtbar im “Bühnengraben”!

Wir sassen in der ersten Reihe, bei so etwas merkt man dann doch direkt, ob man zu viert oder zu sechst unterwegs ist. Der Unterschied ist RIESIG. Leiht euch mal ein paar Kinder unterschiedlichen Alters aus, so dass ihr insgesamt auf vier Stück der eher jüngeren Sorte kommt, und geht mit denen IRGENDWO hin.
Egal wo ihr hin wollt, ihr müsst erst mal los kommen. D.h. mindestens ein-, wenn nicht mehrmals, müsst ihr nochmal ins Haus zurück. Weil ein Kind noch Hausschuhe an hat. Weil das Trinken fehlt. Weil die Eintrittskarten fehlen. Weil ihr selbst noch Hausschuhe anhabt. Und weils eh so lange dauert, während man wartet, kann man eigentlich noch schnell aufs Klo gehen. Und wenn man dann gerade wieder im Auto sitzt, fällt einem ein, dass da noch drei andere waren, die vermutlich trotz vielleicht stattgefundener Erinnerung daran bestimmt nicht auf dem Örtchen waren. Warum auch. Kann man ja auch erledigen, sobald man angekommen ist. Oder sobald man gerade mit dem angefangen hat, weswegen man da ist. Drei bis fünf Minuten später kommt dann wieder einer an, der mal muss…oder so ähnlich. Alles schon dagewesen, auch wenn es so nach einer hohlen Phrase klingt. Glaubt mir, das gibt es wirklich!

Jedenfalls, ihr seid unterwegs. Während der Fahrt versucht ihr zwanghaft, dem Stimmengewirr-Radio-Autogeräusche-Mischmasch einen Sinn zu entnehmen. Vergesst es, das hat keinen Sinn. Es ist einfach nur vorhanden. Und egal, was ihr machen wollt, um dem zu entgehen, vergesst auch das. Es ist schlicht unmöglich.

Kurzer Auszug gefällig?

Auto, dritte Reihe: “Mamaaaaaaa, quasselquatsch…”
Auto, dritte Reihe, Nebensitz: “Der/die XY lässt mich nicht xyz *heuljammerschluchz*”

Auto, zweite Reihe: “Rabäääää, Rabäääää…schnarch.”
Auto, zweite Reihe: “Lauter!”

Auto, erste Reihe, Fahrersitz: guckt konzentriert, lauscht dem Radio
Auto, erste Reihe, Beifahrersitz: Versucht seit der Abfahrt, das Stimmengewirr zu entwirren, um herauszufiltern, welche Informationen jetzt gerade von Belang sind. Gibt auf und stellt fest, dass das Radio tatsächlich lauter sein dürfte. Dadurch kann man zumindest einen Teil der Geräusche einfach ausblenden. Muss nur laut genug sein und vor allem gut genug, die Mucke. Aber da war doch noch…”Nein!”

Auto, zweite Reihe: “LAUTER!”

Nö, jetzt erst recht nicht! “Nöööööö”

Auto, zweite Reihe: *pling* “Mama, kannst Du bitte das Radio lauter machen?”

Aber gerne doch, so mag ich das.

Zehn Sekunden später…

Auto, zweite Reihe: “Mama,…im Kindergarten…und…Auto…Fenster…WAS?”

Ich überlege, ob ich das ignorieren soll…und starte den Versuch, pädagogisch wertvoll zu reagieren: “L, wenn ich das Radio lauter mache, kann ich Dir nicht zuhören, dann verstehe ich nichts! Entweder reden ODER Radio!”…natürlich muss ich laut schreien, um das Radio zu übertönen…*hüstel*

So geht das pro Strecke mindestens ein Mal.

Schon etwas gestresst, ja? Dabei haben wir gerade mal den Ort verlassen und gondeln auf den nächsten zu…

Ihr ahnt es? Guuuut *fg*

Ich habe übrigens stark abgekürzt, denn bis erstmal alle im Auto sitzen, vergehen leidvolle Augenblicke. Ihr glaubt gar nicht, worüber man alles diskutieren kann. Das geht bis hin zu der Tatsache, dass Jacke A zu warm, Jacke B zu kalt ist und deswegen am Ende gar keine Jacke mitgenommen wird. Ähnliches gibt es mit Schuhen, wobei diese Versuche ab und zu auch dadurch abgekürzt werden, dass man mitten in der Diskussion abgelenkt ist und das Kind die Tatsache, dass es noch Hausschuhe trägt, einfach ignoriert und sich mit selbigen Richtung Auto aufmacht.

Irgendwann kommt man dann aber doch am Ziel an. Auf dem Hinweg hatte zum Glück keiner so gross Hunger oder Durst, als dass sich Diskussionen darum nicht hätten im Keim ersticken lassen. Auf dem Hinweg darf nur ich. Kaffe to go trinken, Energydrinks, und ein Häppchen Schokolade passt auch noch rein.

Das macht euch stutzig?

Nun ja. Wer während dem Frühstück dauernd andere bedient und selbst ein langsamer Esser ist (ich kann nicht schnell essen, sonst k***e ich), der bekommt am Ende einfach zu wenig Frühstück ab. Zusätzlich habe ich seit Jahren chronischen Schlafmangel. Der Blutdruck krebst eh ständig im Keller. Also…kurz gesagt, ich brauche im Auto Frustfutter und irgendwas zu trinken, das mich runterbringt. Koffein hat bei mir eine ausgleichende Wirkung, hibbelig bin ich von alleine.

Übrigens, kurze Anekdote: Zur Zeit werde ich an den Wochenenden ganz liebevoll geweckt. Da materialisiert sich morgens zusätzlich zu L2 ein Kind in meinem Bett, das nichts Besseres zu tun hat, als so lange mit seinen Fingern in meinem Ohr zu stochern, bis ich aufwache. Sobald ich dann wach bin, verschwindet dieses Kind blitzschnell im Kinderzimmer und weckt die anderen, während ich wieder hinwegschlummere, bis die tosende Masse ins Schlafzimmer schwappt und mich überrollt. Bis dahin ratzt der Herr Gatte seelenruhig weiter. Danach auch. Die Z ist ja wach. Dafür bleib ich dann aber auch im Bett hocken, bis er die Frühstückseier gekocht und die Kinder gezwungen hat, den Tisch zu decken. Oder ihn selbst gedeckt hat, denn glaubt mal nicht, dass man ein Kind zu irgendetwas zwingen könnte.

Zurück zum Ausflug.

Vor Ort angekommen, habt ihr mit Sicherheit schon mindestens fünf Mal erklärt, wo ihr überhaupt hinfahrt, warum schon wieder sowas langweiliges ansteht und überhaupt. Dazu noch, warum Ampeln Männchen zeigen, warum Kind A etwas darf, was Kind B nicht darf, warum es keine Getränke mehr im Auto gibt (sie schaffen es JEDES einzelne Mal, JEDES JEDES JEDES ver-x-te einzelne Mal, es auszukippen!!!!!), warum Kind C mit MUSS, warum ihr die schlimmsten Eltern der Welt seid, und warum die Erde sich dreht.

Während ihr die letzten cm in die Parklücke rollt, sagt es hinter euch Tschaklack und das erste Kind steht parat, um Auszusteigen. Und reisst die Tür auf. Das nächste Auto hat Schiebetüren. Ich bin alt, ich halte den Nervenkitzel nicht mehr aus, der sich automatisch einstellt, wenn neben dem eigenen noch ein anderes Auto steht.
Immerhin steigt nur ein Kind so flott aus, beim Rest muss man sich keinerlei Gedanken machen. Der braucht mindestens drei Extraeinladungen und fünf Diskussionsrunden. Oder jemanden, der ihn aus der Babyschale befreit ;-)

Nach der Sichtung des Nachbarautos (dem natürlich nie etwas passiert, immerhin) versucht ihr, jedem Kind eine Jacke zuzuteilen. Dazu müsst ihr sie aus fünf Öffnungen im Auto gleichzeitig vorkramen, denn jedes Kind will SOFORT eine Jacke (Ihr erinnert euch, dass alle Jacken zu warm und zu kalt gleichzeitig sind? Ja? Das Kind nicht, das zieht die heimlich von den Eltern eingeschleuste Jacke jetzt wortlos an…). Und SOFORTESTENS will es trinken. Es verdurstet.

Derweil baut euer Gegenpart den Kinderwagen zusammen, lädt den Rest vom Krempel ein, zieht dem Kleinsten eine Jacke an und verbaut ihn im Kinderwagen.

Diese Aufgaben wechseln, mal ist der eine Opfer, mal der andere.

Ach ja, nicht zu vergessen: Während dies alles passiert, ermahnt man mehrfach, dass hier Autos fahren und alle Kinder beim Auto bleiben sollen, damit keins unter die Räder gerät. Mindestens ein Mal zieht man eins am Schlawittchen wieder zurück. Was es mit Protesten quittiert, weil man ihm weh getan hat. Je mehr Zuhörer, desto empörter.

Sobald alle Kinder und alles, was mit muss und tatsächlich bei der Abfahrt schon im Auto war, gehbereit sind, versucht man, das jüngste selbst laufende Kind an die Hand zu bekommen. Das ist zum Scheitern verurteilt. War ja auch nur ein Versuch…

Unter Diskussionen, warum Kind C denn mit muss, geht es dann weiter zum Eingang. Stehen in der Kassenschlange mag keiner, deswegen steht da nur der Vater. Ihr als Mutter steht etwas abseits und hofft, dass es möglichst schnell geht, denn ein Kind muss aufs Klo, eines langweilt sich und wird deswegen zickig und eines diskutiert, warum es mitkommen musste.

Jetzt unterscheidet es sich ein wenig, was ihr vorhabt. Aber nur ein wenig. So wie das bisher geschilderte, läuft nämlich der Rest auch ab. Ihr versucht, zwischen Diskussionen, warum Kind C mit muss, Gezicke, weil ihr die Hand von Kind B nicht dauerhaft festhalten, enen Kinderwagen schieben und Kind A am Verschwinden hintern könnt. Kind A schaut mal hierhin, mal dahin, mal dorthin. Und danach schaut ihr. Weil Kind A gerade verschwunden ist. Und nehmt euch vor, das nächste Mal doch wieder neonfarbene Kleidung zu nehmen, denn damit erfasst man die Kinder auf einen Blick.

Nachdem ihr die euch zugehörigen Kinder aus mindestens 20 sehr ähnlichen heraussortiert habt, könnt ihr etwa 5 Schritte gehen, bevor ein Kind Durst hat, eines aufs Klo muss und eines diskutiert…

Ich kürze an der Stelle mal ab, denn so ermüdend, wie es wäre, das jetzt absätzeweise zu lesen, so ist es auch im wahren Leben. Es wiederholt sich alles, in steigender Intensität und es steigert sich in dem Maße, in dem eure Belastbarkeit abnimmt.

Und nun bin ich wieder bei dem heutigen Tag. Ich hatte EIN Kind neben mir laufen, das fröhlich und neugierig war. Naja, und eines auf dem Arm. Wurschtegal. Es waren auf jeden Fall nur zwei.

Wir haben einen Platz in der ersten Reihe gefunden, zwar mussten sowohl der Herr Gatte als auch ich dauerhaft jeder ein Kind auf dem Schoss sitzen haben, aber, hey, was solls? EIN Kind PRO Elternteil! Easy going, sowas schaffen wir doch mit links!

Gleichzeitig hat das jeweils EINE Kind (ich muss das immer mal wieder betonen) zu Essen und zu trinken bekommen, während es auf dem Schoss sass. In der Pause war ich ganz entspannt mit Kind auf der Toilette und wir haben trotz wieder beginnender Vorführung noch ein Spiel spielen können. Mir doch egal, obs schon losgeht. Dem Kind sowieso. Das war wohl ebenso begeistert von meiner inneren Ruhe wie ich selbst.

Um es nochmal kurz zu fassen: Mit nur zwei Kindern schaff ich alles! *G*

L2 fand übrigens das vorgeführte Stück sehr schön, er hat mehrmals “Hallo! Hallo!” Richtung Bühne gerufen, zwischendurch geklatscht (was er überhaupt erst ein Mal gemacht hat bisher), den Hund auf der Bühne begeistert kommentiert und die Hauptdarstellerin gesucht, als sie dem Stück entsprechend auf einmal nicht mehr zu sehen war. Und den Buchfinken, der vor uns entlang gehüpft ist und nach fressbaren Krümeln gesucht hat, den bestaunte er auch.

Und jetzt bin ich doch glatt mitten im Erzählen müde. Richtig tiefgehend müde. Lust auf Schlafen habe ich keine. Denn, die Zeit, in der alle Kinder schlafen, das ist MEINE Zeit. Da komme ich zur Ruhe, und zwar vollkommen. Da kann ich durchatmen, und da sinkt mein Adrenalinpegel auf Normalaufgeregtenlevel. Leider ist diese Zeitspanne extrem kurz. Eigentlich bräuchte ich davon ein paar Stunden mehr am Tag. Zum Runterkommen. Es ist bis auf die normalen Schlafgeräusche um mich herum still. Nur L2 hat gerade ein paar Mal im Schlaf geschmatzt. Herrliche Stille ist das.

Leider klingt der Wecker morgen früh gnadenlos. Und deswegen werde ich mich gleich hinlegen. Meinen Computer ausmachen, mein Kopfkissen bequem hinlegen (ich weiss, das Adjektiv passt da nicht, aber mein Hirn ist zu matschig als dass es da was Sinnvolleres draus machen könnte), mich selbst hinlegen, das Licht ausmachen und nach L2 tasten. Der bekommt dann nur ein paar liebevolle Küsschen auf die Stirn, und dann schnappt er sich meinen Arm und fesselt sich drumherum.

In der Nacht werde ich mit Sicherheit mindestens 20.000 Mal aufwachen, weil er nicht mehr da liegt, wo er liegen sollte, und ich Angst habe, dass er sich im Halbschlaf oder Schlaf aus dem Bett rollt und verletzt.

Sie werden ja so schnell gross…

Jetzt ist es langsam wirklich spürbar. Unsere J wird langsam groß. Die letzten Wochen der Kindergartenzeit sind mit der traditionellen Übernachtung der Schulkinder in der Kita angebrochen.

Die Kinder haben jetzt schon ihr Abschiedsgeschenk bekommen (obwohl es ja noch einige Wochen hin sind) und wir eine dicke Mappe mit ausgewählten Kunstwerken der letzten Jahre.  Es ist so faszinierend zu sehen, wie sich ein Kind entwickelt. Nicht nur bei den Fertigkeiten bei der Erstellung der kleinen Kunstwerke, nicht nur wenn man sich alte Bilder ansieht. Auch die Entwicklung der Persönlichkeit in den letzten Jahren, ist unglaublich. Vom kleinen abhängigen Kind zu einem Mädchen mit eigenem Willen, zu einer jungen Dame, die sich selbst ihre Kleidung aussuchen möchte, die hin und wieder Nagellack auf die Fingernägeln bekommen will, die sich mit Freundinnen verabredet und entdeckt, wie es (scheinbar) Spass macht, mit der eigenen Dickköpfigkkeit die Eltern um den Verstand zu bringen. Dabei ist man natürlich nach aussen hin das brave liebe Mädchen, das nie Widerworte gibt und immer freundlich und gut gelaunt ist.

Sie hat so viele Gesichter und Facetten, ein kompletter kleiner Mensch.  Gefühlt hätte ich gesagt, dass sie vor ein paar Wochen nur gekrakelt und nicht gemalt hat. Heute malt sie kleine Kunstwerke und schreibt ihren Namen. Einfach so.

Zu sehen, wie sie mit anderen Kindern umgeht. Wie sie sich einsetzt und bemüht anderen zu helfen, die nicht so viel Glück im Leben hatten ganz gesund zu sein oder einfach noch jung und daher ein wenig unbeholfen sind. Ich hoffe so sehr, dass sie dieses Feingefühl und ihr Hilfsbereitschaft behält.

Sie wird jetzt 6 und hat das Glück, augenscheinlich eine nette und erfahrene Lehrerin in der Grundschule zu bekommen. Und, dass sie mit vielen Kindern aus ihrem Kindergarten in eine Klasse gehen kann. Das sollte ihr den Start erleichtern.

Wie sie sich gefreut hat, als wir losgefahren sind um ihren Schulranzen zu kaufen. Wir mussten danach wirklich nochmal zurück zum Kindergarten damit sie den Ranzen allen anderen zeigen konnte. Sie hat so gestrahlt als ich ihr ihre Schulbücher gezeigt habe die wir bestellen sollten.  Sie sagt sie möchte gerne Lesen lernen. Sie sieht bei Y wie er inzwischen Bücher, Zeitungen und Zeitschriften verschlingt. Er ist dann teilweise kaum ansprechbar. Ich fürchte auch, der tägliche Kampf um die Tageszeitung wird grösser. Y stürzt sich immer auf den Welt-Teil der Zeitung und liest darin länger als wir. Er hat Zeitschriften in denen er liest und uns dann davon ganz begeistert erzählt. Und das in einer Detailtiefe die schon fast erschreckend ist. Oder auch die kleinen Zettelchen die dann geschrieben werden. “Fernse abend?” Dazu dieser stolze und erwartungsvolle Blick. Einfach toll.

Es ist eine tolle Aufgabe Kinder beim Großwerden zu helfen und sie dabei zu beobachten. Ich glaube das ist auch das Tolle am Beruf der Erzieherinnen und Erzieher. Man kann viele Kinder fit fürs Leben machen hat aber den “Luxus” sie abends nicht ins Bett bringen zu müssen.

Aber ich schweife ab. Wir kennen das mit dem Übergang vom Kindergarten zur Grundschule ja schon von Y. Aber ich denke es ist jedes mal aufs Neue spannend und neu. Neue Lehrer, neue Lernmethoden (ja, innerhalb von 2 Jahren kann sich einiges ändern), neue Kinder und deren Eltern mit denen man sich gut oder auch weniger gut versteht. Aber man arrangiert sich irgendwie. Neue “Freundschaften” können dabei aber auch entstehen.

Der Zusammenhalt der Eltern in Ys Klasse ist eigentlich ganz gut. Wobei die Beteiligung am Elternstammtisch besser sein könnte. Aber der harte Kern ist immer da. Und man kann sich auch auf diese Eltern verlassen. Gut ist dann, wenn sich die Kinder auch gut verstehen. Und das passt meistens auch. Ich bin gespannt wie es sich in Js Klasse ergibt. Zwar kennen wir durch den Kindergarten ja schon einige Eltern aber es ist ja immer ein neues Zusammenfinden.

Wie auch immer. Es ist, wird und bleibt spannend. Kommt sie in dieser neuen Welt gut zurecht, passt die Lehrerin zu ihr, fällt ihr das schulische Lernen leicht oder nicht…?

Was bedeutet es Papa zu sein?

Vieles. Und ich werde hier und heute sicher auch nicht alles aufzählen können. Es ist viel mehr als das was in den folgenden Zeilen steht. Aber das sind DInge, die mich gerade bewegen.

Papa sein bedeutet der Alltagsheld seiner Kinder zu sein. Wenn die Hüpfburg aus Strommangel in sich zusammen fällt und man den Torbogen offen hält damit auch das letzte Kind die Burg verlassen kann. L sagte darauf hin, dass er das im Kindergarten erzählen werde, dass sein Papa ein Kind von der Hüpfburg gerettet hat.

Papa sein heisst aber auch konsequent zu sein und Regeln durch zu setzen. Auch wenn man von der Einzigartigkeit und Zuneigung seiner Kinder gefangen genommen wird und man eigentlich erteilte Strafen wieder zurück nehmen oder abmildern möchte.

Papa sein heisst abends nach Hause zu kommen und freudig begrüsst zu werden. “Papa ich möchte kuscheln!” Ich ertappe mich immer mal wieder dabei, dafür keine Zeit zu haben weil ich gerade wieder zwischen zwei Terminen hänge oder das Essen fertig werden muss oder, oder, oder. Ich denke, Papa sein heisst auch, sich einfach Zeit zu nehmen. Ist es wirklich wichtig, ob das Essen 5 Minuten früher oder später auf dem Tisch steht?

Papa sein bedeutet manchmal Ängste einzufangen und aufzulösen. Wenn Y abends zu uns kommt und von irgendwelchen gruseligen Sachen erzählt vor denen er Angst hat beim Einschlafen. Ich kenne das auch von früher. Jeder kennt das denke ich.

Papa sein ist auch, wenn Y von seiner ersten Ferienfahrt zurück kommt und für uns jeweils ein kleines Schokoladentäfelchen mitbringt auf dem ein rotes Herz und “I love you” aufgedruckt sind welche er von seinem Taschengeld gekauft hat.

Papa sein verlangt manchmal einen kühlen Kopf zu bewahren und die kleinen Notfälle des Alltags zu meistern. Den Kindern Ruhe und Sicherheit zu vermittteln, ihnen zu sagen “wird alles wieder gut”.

Papa sein bedeutet auch manchmal die Wut und Traurigkeit der Kinder auszuhalten, wenn sie mit einer Entscheidung nicht einverstanden sind, die man getroffen hat.

Papa sein bedeutet mit den Kindern zu Lachen und zu Toben und im nächsten Moment einfach eine Weile angekuschelt im grossen Bett zu liegen.

Papa sein ist manchmal auch einfach fünfe grade sein lassen. Nur dann und wann.

Papa sein ist einfach schön. Ja, Kinder sind anstrengend. Ja, 4 Kinder sind noch anstrengender. Aber das, was sie einem zurück geben, zu sehen wie sie wachsen und lernen, wie sie verstehen und Wissen in sich aufsaugen, zu sehen, wie sich ihr Leben entwickelt, das ist einfach wundervoll. Jedes Kind, Y, J, L und L2 sind ganz verschieden. Sie rangeln und raufen, bekriegen und vertragen sich, spielen miteinander und schenken uns so viel mit ihrem endlosen Vertrauen und ihrer Zuneigung.

Das alles und noch viel mehr ist “Papa sein”. Und es ist einfach wundervoll und einzigartig.